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Die Otomo Praxis ist eine sehr formelle Trainingsmethode. Der folgende Text zeigt Möglichkeiten auf und gibt Anregungen, wie die an dieser Art des Trainings interessierten Schüler sich hierin, nach Absprache mit dem Lehrer, üben können.
Das Wort "Otomo" bedeutet "bescheidener Begleiter". Die Aufgabe des Otomo ist es, den Lehrer (Sensei) zu begleiten, an seiner Seite zu sein, und ihn in allen seinen Bedürfnissen zu unterstützen. Otomo werden nur aus denjenigen ausgewählt, die freiwillig diese Art der Übung aufnehmen möchten. Es ist eine Übung, die viel Aufmerksamkeit und Respekt erfordert. Du musst immer zwei Schritte vor dem Sensei sein. Wenn er dich fragen muss oder dir erklären muss dass du etwas bestimmtes tun sollst, dich an etwas das er benötigt erinnern muss, dann bist du bereits zu spät. Nachfolgend einige Beispiele für die Aufgaben des Otomo:
Wenn du den Lehrer abholst, oder ihn irgendwo triffst, komme immer vor der Zeit an. Rechtzeitig ist immer zu spät. Fünfzehn Minuten vor der vereinbarten Zeit ist nicht zu früh. Die Welt ändert sich ständig. Irgendetwas passiert immer. Früh genug anzukommen gibt dir die Zeit eventuell auftretende unerwartete Probleme zu lösen.
Überprüfe die Ausrüstung (Gi, Hakama, Jo, Bokken, Taschen, Koffer, etc.) des Lehrers frühzeitig, um sicherzustellen dass nichts fehlt, selbst wenn er sagt, dass alles in Ordnung ist. Dein Job soll sicherstellen, dass er alles hat, was er benötigt.
Die gesamte Planung für eine Reise, Reisekapital, Tickets, Reservierungen, Flugpläne, etc. liegen in deiner Verantwortung. Der Lehrer sollte diese Vorbereitungen niemals selbst treffen müssen.
Kümmere dich während öffentlicher Treffen, wie Sitzungen, Partys oder Bankette, in erster Linie um die Bedürfnisse deines Lehrers. Beginne nicht mit dem Essen oder Trinken, bis er bedient worden ist und begonnen hat.
Bevor der Lehrer eine Klasse oder ein Seminar eröffnet, stelle sicher, dass seine gesamte Ausrüstung dort ist, wo er sie benötigt. Alle Waffen, Notizen, Trinkwasser, eine Bank oder ein Stuhl und eine Tafel müssen an ihrem Platz sein. Du musst es frühzeitig arrangieren, dass diese Sachen zur Verfügung stehen, falls du sie nicht selber mitgebracht hast. Baue nie auf jemand anderes, und nehme nie an, dass sich andere darum kümmern.
Nimm bei Seminaren außerhalb deines eigenen Dojo frühzeitig mit dem Gastgeber Kontakt auf, um sicher zu stellen, dass für alle Bedürfnisse deines Lehrers gesorgt ist. Du musst dich gleichzeitig darum bemühen, den Gastgeber nicht zu beleidigen. Manchmal musst du in deiner Arbeit kreativ sein.
Lasse während einer Klasse die dein Lehrer unterrichtet, nicht in deiner Aufmerksamkeit nach. Änderungen und Bedürfnisse können auftreten, löse diese Dinge bevor sie ein Problem werden.
Nach der Klasse muss der Hakama deines Lehrers gefaltet werden, ebenso wie deiner. Dein Lehrer mag erst noch mit Schülern sprechen, was dir einige Zeit gibt, diese Aufgaben durchzuführen; oder er mag sofort in die Umkleidekabine gehen. Auf diese Möglichkeiten musst du vorbereitet sein. Sei dir sicher dass du Assistenten ausgewählt hast, die sich um die Hakama und andere Details kümmern, während du deinem Lehrer beim Umziehen hilfst. Häufig verschwindet er schnell, um zum Abendessen oder anders wohin zu gehen. Für Trainingskleidung und Ausrüstung muss während eines kurzen Zeitraumes gesorgt werden. Wenn zum Beispiel sein Gi nass ist, muss er zum trocknen aufgehängt werden. Gleichzeitig solltest du nicht von seiner Seite weichen. Andere Fragen können auftauchen. In einem auswärtigen Dojo musst du mit dem Gastgeber die Arrangements für den Abend besprechen. Es ist deine Verantwortung jede Hilfe einzubeziehen, die notwendig ist um alles "in time" zu bewältigen.
Das Dienen als Otomo ist Bewusstheits Training. Bewusstheit von jedem und von allen Dingen innerhalb deines Bereichs der Verantwortlichkeit, zu jeder Zeit. Wir sind es gewohnt nur an unsere eigenen persönlichen Bedürfnisse zu denken. Denke daran, nichts ist zu klein oder zu groß, um als nicht zugehörig zu deinem Bereich der Verantwortung betrachtet zu werden.
Auch der Betrieb eines Dojo erfordert viele helfende Hände, und bietet mannigfaltige Gelegenheiten, um die sich Otomos verantwortlich kümmern können. Hier einige Beispiele für weitere Aufgaben - damit sollen der eigenen Fantasie durchaus keine Grenzen gesetzt werden:
Kontrolliere am Platz des Lehrers das Vorhandensein aller benötigten Gegenstände (Bokken, Jo, Tanto, Sokuboku [„Atemhölzer"], Trainings Unterlagen, Shokushu [Ki Worte], Seiza Bank, Whiteboard bzw. Flipchart & Stifte, Suzu [Glocke] bei Misogi Terminen.
Halte die Zori [Slipper] deines Lehrers sauber und achte auf Beschädigungen, gegebenenfalls lasse sie reparieren oder tausche sie gegen neue aus.
Suche mit deinem Lehrer ein Shokushu und eine(n) Schüler(in) zum Vorlesen aus.
Lege deinem Lehrer Dogi und Hakama vor dem Umkleiden zurecht.
Stelle vor dem Training Wasser und ein Glas bereit und halte das Glas stets gefüllt.
Wenn nötig, wasche und bügle den Hakama deines Lehrers.
Otomo ist sehr einfach: verhalte dich einfach so, wie du es auch tun würdest wenn du einen dir sehr lieben Menschen zu Gast hast.
Wenn du die Otomo Praxis ernsthaft beginnen möchtest, lass dies deinen Lehrer wissen. Er wird es mit dir besprechen, und dir gegebenenfalls die Erlaubnis dazu erteilen. Beachte jedoch immer, dass du diese Art der Übung nicht dazu missbrauchst, dich wichtiger als diejenigen zu fühlen, die es vorziehen diesen Weg nicht zu gehen. |
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